Clubhouse: das Audio-Network, das die Social Media Welt im Sturm erobert

Clubhouse befindet sich zwar noch in der Beta-Phase, wird aber in anderen sozialen Medien bereits als das nächste große Ding “gehyped”. Nachdem die App bereits das Silicon Valley umworben hat, wächst die “iOS-Only” App auch in Deutschland kräftig.

Im Wesentlichen lässt sich die App als eine Kombination aus einem Podcast-Netzwerk, einem virtuellen Veranstaltungsraum und einem Live-Chatroom beschreiben. Das Verrückte dabei: Die Energie, Unmittelbarkeit und Interaktivität der App suggerieren das Gefühl eines Offline-Meetings. Klingt chaotisch? Nun, das ist es auch… irgendwie aber es funktioniert, denn die App wächst und gedeiht von Tag zu Tag, denn die Nutzer scheinen begeistert!

"Wenn du die App öffnest, wirst du 'Räume' voller Menschen sehen, die sich offen zugänglich unterhalten, sodass du als Mitglied hinein- und herausspringen kannst, um dir verschiedene Unterhaltungen anzuhören. Jeder Raum wird vorerst als Zuhörer betreten, woraufhin man bei Gesprächsbedarf die Hand heben kann und von den bisherigen Sprechern auf die “Bühne” geholt werden kann”, erklärt Clubhouse auf seiner Website.

Die Räume sind nach Themen und Interessengebieten kategorisiert. Bei der Anmeldung können Nutzer ihre persönlichen Interessen wählen, um das Clubhouse-Erlebnis zu personalisieren. Zu den Themen gehören Gesundheit, Wellness, Leben, Glaube, Kunst, Kultur, Sport, Unterhaltung, Weltgeschehen, Wissen, Tech-Produkte, Sprachen, Orte, Identität, Startup-Hustle, Verkaufsveranstaltungen, Finanzen und Kryptowährungen, Live-Auftritte und mehr. Klickt man auf das "Erkunden"-Symbol auf der Startseite, findet man Menschen und Clubs, denen man bei Bedarf folgen kann. Daraufhin benachrichtigt die App seine Nutzer, wenn ein Raum mit entsprechendem Themenbereich in Kürze live geht. Anstehende Räume können zur Planung über das Kalendersymbol auf der Homepage verfolgt werden. Die Benutzer haben gleichzeitig auch die Möglichkeit, eigene neue Veranstaltungen zu erstellen, indem sie einfach ein Thema, Co-Gastgeber, ein Datum, eine Uhrzeit, einen gastgebenden Club sowie eine 200 Zeichen lange Beschreibung hinzufügen. Einladungen können anschließend mit allen Benutzern geteilt werden.

Die Exklusivität von Clubhouse und das daraus resultierende “Massen-FOMO”, hat es geschafft, die App weltweit als unglaublich attraktiv anzupreisen, sodass Menschen heute sogar zahlungsbereit sind, um dem Hype Clubhouse beizutreten. Vanity Fair beschrieb die App kürzlich als "Spielplatz für die Elite". Und diese Elite will unbedingt eine Clubhouse-Mitgliedschaft - das NEUE Abzeichen für Ehre und soziale Anerkennung. Unternehmer, Prominente, Social-Media-Junkies und Investoren rissen sich um die limitierten Einladungen, prahlten, wenn sie eine bekamen, schwärmten von der "unglaublichen" Plattform, twitterten live und veröffentlichten ausführliche Threads für die weniger Sterblichen, die das Nachsehen hatten. 

Unsere Meinung?

Beeindruckend, aber lange nicht perfekt. Es ist nicht zu leugnen, dass Clubhouse es wert ist, dass man darüber spricht. Es ist frisch, einnehmend, informativ und anders als die meisten Social-Media-Plattformen, die wir heute kennen.  Wenn es in den 2000er-Jahren um textbasierte soziale Netzwerke (Orkut, Facebook, Twitter) und in den 2010er-Jahren um visuelle und Video-Apps (Instagram, Snapchat, TikTok) ging, dann könnten die 2020er-Jahre durchaus die Ära der sprachbasierten sozialen Netzwerke sein.

Es wäre also keine Übertreibung zu sagen, dass Clubhouse der Vorbote einer neuen Welle in den sozialen Medien ist. Aber die Gefahren einer Nischen-App, die unkontrolliert im Beta-Stadium ist, sind vielfältig. Clubhouse wurde in den letzten Monaten dafür kritisiert, dass sie nicht in der Lage ist, Inhalte von Hassreden insbesondere gegen Schwarze (im Zuge der BLM), Frauen in der Tech-Branche, die LGBTQIA+-Community sowie Juden und andere ethnische Minderheiten zu regulieren. Es fehlt an effektiven Werkzeugen, um nicht erwünschte Inhalte zu moderieren.

Trotz der Unzulänglichkeiten ist Clubhouse ein Disruptor in der globalen Social-Media-Landschaft und das Silicon Valley (oder sogar das gesamte Tech-Universum) weiß es.